Fast zwei Monate hab ich im chilenischen Teil von Patagonien verbracht. Von Santiago de Chile bin ich mit Bussen, Fähre und ziemlich oft per Anhalter bis nach Punta Arenas ganz im Süden gereist. Für Feuerland hat meine Zeit leider nicht mehr gereicht, aber so hab ich wenigstens einen Grund, wiederzukommen. Meine Erlebnisse auf den einzelnen Etappen hab ich weiter unten verlinkt. Hier gibt es einige Tipps und Tricks für die Vorbereitung, wenn du alleine als Frau nach Chile bzw. Patagonien reisen willst.
Bücher & Reiseführer
Jedes Mal, wenn ich eine Reise in ein neues Land plane, recherchiere ich erstmal Autorinnen und Geschichten, die dort spielen. Für Chile kann ich eigentlich fast alle Bücher von Isabella Allende empfehlen. Vor allem das Geisterhaus, das ich während meiner Zeit in Chile gelesen habe, hat mich sehr begeistert. Isabella Allende ist mit dem ehemaligen chilenischen Präsidenten Salvador Allende verwandt. Dieser hat sich im Rahmen des Militärputsches 1973 das Leben genommen. Isabella lebte lange im Exil in Kanada und wusste lange nicht, ob sie jemals wieder nach Chile zurückkehren kann. Etwas, das man sich als privilegierte Europäerin, die für fast jedes Land ziemlich einfach ein Visum erhält, nur schwer vorstellen. In ihren Büchern geht es meistens um ihre Familiengeschichte – dramatische, über mehrere Generationen verwebte Bücher.
Daneben hat mich das Buch von von Sarah Weeler „unterwegs in einem schmalen Land“ sehr gut auf Chile und vor allem Patagonien vorbereitet. Sarah war Anfang der 90er Jahre 6 Monate in Chile unterwegs. Manchmal wünsche ich mir, früher geboren zu sein. Damals war so eine Reise noch ein richtiges Abenteuer. Ohne Google Maps. Aber auch ohne Facetime und regelmäßige Anrufe daheim. Das Buch hat mich auf jeden Fall gelehrt, die Natur dort nicht zu unterschätzen und mich richtig vorzubereiten. Vor allem da ich wusste, dass ich alleine unterwegs sein werde.
Die beiden Reisefüher über Chile und Argentinien von DuMont haben mir im Vorfeld bei der Planung sehr geholfen. Da sie recht schwer sind, hab ich sie daheim gelassen und mir die wichtigsten Dinge in Miro abgelegt. Definitiv ein Fehler, ich würde das nächste Mal auf jeden Fall einen Reisefüher mitnehmen, entweder als Buch oder digital.
Allein (als Frau)
Angst hatte ich in Chile eigentlich nie. Während ich in Santiago war, hab ich aber darauf geschaut, immer vor Einbruch der Dunkelheit zurück in meiner Unterkunft zu sein. Mein Jetlag hatte da aber nichts dagegen. Ab Pucon bin ich immer mal wieder mit einer anderen Deutschen gereist und viel per Anhalter gefahren. Da hatte ich 1-2 mal ein komisches Gefühl, es ist aber immer alles gut gegangen. Die meisten Menschen, die mich mitgenommen haben, waren supernett und haben sich gefreut, dass wir ihr Land besuchen. Mit meinem Baby-Spanisch konnte ich sogar simple Konversationen führen. Ein- oder zweimal haben mich Touristen mitgenommen, sonst immer Einheimische. Bei Männern hat man natürlich immer erstmal ein komisches Gefühl (nature or nurture?), aber die waren meist eh klein und rund, da hätte ich im Notfall locker weglaufen können.
Beim Wandern und auf den Campingplätzen in den Nationalparks war ich eigentlich nie alleine. Dort waren immer andere Wandernde und auch viele andere Frauen.
Bargeld
Als ich 2023 in Patagonien unterwegs war, wurde mit überall gesagt, ab Puerto Montt am besten ganz viel Bargeld mitzunehmen, da weiter südlich keine Kartenzahlung akzeptiert wird. Das hat damals schon nicht gestimmt und ist jetzt wahrscheinlich nochmal anders. Außer vielleicht Bustickets und Kompletos konnte ich fast alles mit Karte zahlen.
Reiseplanung
Ich habe so gut wie nichts vorher geplant. Ca. 4 Wochen vor Abfahrt hab ich die Fähre von Tortel an Puerto Natales gebucht, da die Touristentickets schnell ausgebucht sind. Falls du im Torres del Paine Nationalpark eine von den bekannten Touren wandern willst, solltest du das auf jeden Fall vorab buchen. Siehe dazu auch den Punkt Torres del Paine – lohnt es sich?
Einige lokale Busse sind schnell ausgebucht bzw. funktionieren nach dem first-comes-first-serve Prinzip. Wenn sie voll sind, stehst du eventuell immer noch am Bushäuschen. Für die Buchung der Tickets lohnt es sich, ein wenig Spanisch zu sprechen. Häufig werden die Bustickets in kleinen Hütten verkauft und die Menschen dort sprechen meistens nur Spanisch.
Torres del Paine – lohnt es sich?
Viele denken bei Patagonien direkt an den Torres del Paine Nationalpark. Der Park ist relativ weit im Süden Patagoniens. Ich bin zwiegespalten, ob es sich lohnt, den Park zu besuchen. Auf der einen Seite sind die Berge sehr beeindruckend, vor allem wenn die Torres pink angestrahlt werden. Auf der anderen Seite ist der Park völlig überlaufen und man fühlt sich teilweise wie im 52. Bundestaat der USA. Einige US-Amerikaner haben sich während meinem Aufenthalt auch so aufgeführt, als würde der Nationalpark ihnen gehören. Und der lockt auch viele Menschen an, die sonst nicht viel mit Wandern zu tun haben. Es geht also ungefähr so zu wie an einem Sommerwochenende am Eibsee. Um die bekannten Mehrtageswanderungen wie den O- oder den W-Trek zu machen, müssen die Campingplätze oder Hütten Monate vorher reserviert werden. Und dann ist es dort wirklich eine Massenabfertigung.
Ich hatte mit Glück für zwei Nächte ein Bett im Hostel am Basecamp ergattert – für umgerechnet 80€ pro Nacht, ohne Verpflegung. Von dort hab ich die Sonnenaufgangstour zu den Torres gemacht und hatte Glück, dass sie sich an dem Morgen nicht im Nebel versteckt haben, sondern pink angeleuchtet wurden. Hier ging es zu wie am Jochberg an einem Sonntagnachmittag im Juli (für alle die den Jochberg nicht kennen: toller Berg am Walchensee, leider völlig überlaufen). Bei allen Tageswanderungen, die ich im Nationalpark gemacht habe, ging es ähnlich zu. Ziemlich überlaufen, ziemlich viele große Gruppen Nordamerikaner, die dich nicht mal überholen lassen, wenn du schneller bist.
Nach den zwei Nächten habe ich mir einen Campinplatz im Nationalpark, aber ein Stück von den bekannten Wanderwegen entfernt, gesucht. Dort war nichts los und ich konnte richtig schöne Bilder und Skizzen von den Bergen machen. Diesen Campingplatz würde ich sofort empfehlen, auch wenn es etwas nervig ist, immer mit dem Bus oder per Anhalter zu den Wanderwegen fahren zu müssen.
Ansonsten gibt es in Chile und Patagonien noch ganz viel andere tolle Nationalparks und Wandergebiete, die nicht so überlaufen sind.
Wandern & Trekking in Patagonien
Wandern und vor allem Mehrtageswanderungen sind in Chile deutlich anders als in Europa bzw. den Alpen. Außerhalb vom Torres de Paine Nationalpark gibt es nur in einigen Nationalparks Hütten. Hast du vor, Mehrtagestouren zu machen, solltest du daher ein Zelt mitbringen – und Erfahrung, als Selbstversorgerin unterwegs zu sein. In Patagonien bist du in vielen Nationalparks weit weg von der Ziviliation. Und eine Bergrettung, wie wir sie aus den Alpen kennen, gibt es auch nicht. Mehrtagestouren in Patagonien sind daher meiner Meinung nach nichts für Anfängerinnen, zumindest nicht, wenn du auf eigene Faust unterwegs sein willst. Es gibt aber viele tolle Reiseanbieter, die Touren in Patagonien anbieten. Ich würde dir empfehlen, vorab schon ein paar Trekkingtouren zu machen, zum Beispiel in den Pyrenäen. Dort ist Wildcampen für 1 Nacht erlaubt.
Auch das Wetter ist ganz anders als in Europa. Selbst im Sommer kann es sehr kalt werden. Pack daher auf jeden Fall ausreichend warme Kleidung und einen guten Schlafsack ein. Was mich besonders überrascht hat, sind die Winde in Patagonien. Selbst mit vollbepacktem Rucksack hat es mich auf einem Pass im Cerro Castillo Nationalpark fast von den Füßen gehoben. Beim Campen kann ich dir daher nur den Tipp geben: such dir immer den Platz, der am besten vom Wind geschützt ist.
Meine Erfahrungsberichte:
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